How would Lubitsch do it?
Anfang des Monats hat uns Kurt Vonnegut erklärt, wie man mit Geschichten Millionen verdient, nun erklärt uns Ernst Lubitsch, anläßlich seines 110. Geburtstags, was man macht, wenn man die erste Million einmal hat.
Folgende Episode stammt aus If I Had a Million (1932), in dem ein sterbender Millionär das Telefonbuch und den Zufall entscheiden läßt, wer seine Millionen erben soll. Einer der Glücklichen ist Charles Laughton, der als kleiner Angestellter in einem Großraumbüro schuftet:
Mit Pumps und Perlenkette gegen den inneren Schweinehund!
Wer zur Arbeit nicht ins Büro fährt, sondern nur an seinen heimischen Schreibtisch geht, hat unbestritten Vorteile: kurzer Anfahrtsweg, flexible Arbeitszeiten, keine quatschenden Kollegen. Ebenso unbestritten hat der Heimarbeiter einige gravierende Nachteile: zuhause ist man schneller abgelenkt - etwa von wirklich (!) dringender Hausarbeit. Im Großraumbüro hingegen fühlt man sich nur selten veranlaßt, Staub zu saugen oder die Fenster zu putzen. Zuhause fehlt einem der klare Arbeitsbeginn und der klar definierte Feierabend - Arbeit und Freizeit verschwimmen. Und die Gefahr, daß man am Abend nicht das geschafft hat, was man doch eigentlich wollte, ist groß.
Was kann man nur tun?
Diese Frage hat sich auch Verena Mayer vom Tagesspiegel gestellt und in ihrem Bekanntenkreis nach Tips gefragt. Zwei Tips fand ich ganz bemerkenswert und möchte sie deshalb hier aufgreifen:
Über eine befreundete Grafikdesignerin, die ebenfalls zu Hause arbeitet, berichtet Verena Mayer, daß sie jeden Morgen um halb neun aus dem Haus geht und eine Runde um den Block dreht.
"Wenn sie sich dann im Schlafzimmer an ihren Schreibtisch setzt, hat sie das Gefühl, zur Arbeit gegangen zu sein. Um 18 Uhr das gleiche Spiel, wobei sie während der Rushhour noch eine halbe Stunde Bus fährt. Danach kann sie es kaum erwarten, nach Hause zu kommen."
Eine Korrespondentenkollegin aus Tiergarten hat noch eine andere Arbeitsweise gefunden:
"Sie zieht jeden Morgen einen schwarzen Hosenanzug und hochhackige Schuhe an. Bevor sie vom Schlafzimmer ins Arbeitszimmer wechselt, legt sie sich noch eine Perlenkette um den Hals. So kann sie der Privatheit ihrer Wohnung die notwendige Professionalität abtrotzen."
Das probieren wir morgen doch gleich mal aus! Und übermorgen werde ich dann ein Foto von mir mit Pumps und Perlenkette posten!
Loriot fordert: Mehr Mut zur Unterhaltung!
"Sie dürfen nicht nur unterhalten, Sie müssen irgendeine Moral haben", bedauerte Loriot einmal in einem Interview. "Das ist schade. Es gehört eine gewisse Form des Mutes dazu, zu sagen, ich will in diesem Augenblick "nur" unterhalten. [...] Ich glaube, daß Unterhaltung, richtig verstanden, nicht bedeutet, den Menschen die Zeit zu vertreiben. [...] Gut gemachte Unterhaltung konzentriert doch wie nichts Anderes, bannt die Leute. Wenn sie etwas Gutes gesehen haben, vergessen sie es womöglich nicht mehr."
Recht hat er!
Lassen wir uns also jetzt ganz unmoralisch vom unvergessenen Loriot unterhalten:
aus: "Ödipussi" (natürlich auf DVD erhältlich!)
Wenn Sie dieses Buch kaufen, werden die Leute über Sie lachen
So steht es (in Englisch) auf dem Umschlag von Scott Seditas sehr empfehlenswertem Handbuch The Eight Characters of Comedy. Der Untertitel des Buches lautet A Guide to Sitcom Acting and Writing. Und damit haben wir den Inhalt schon sehr gut umrissen.
Es geht um Sitcoms, ein Genre, das sich zur Zeit in den USA, wie auch in Deutschland wieder einmal großer Beliebtheit erfreut: How I Met your Mother, The Big Bang Theory, Two and a Half Men... Alle sind sie anders und doch ähneln sie einander; denn alle Sitcoms bedienen sich (wie auch die Commedia dell' arte) aus einem im Grunde übersichtlichen Arsenal von Figurentypen.
In seinem Buch hat Scott Sedita acht verschiedene Typen mit ihren jeweiligen Charaktermerkmalen herausgearbeitet, wie sie immer wieder in amerikanischen Sitcoms auftauchen. Es sind:
- The Logical Smart One: sie oder er ist klug, verantwortlich, ruhig, gewissermaßen die Stimme der Vernunft. Beispiele für The Logical Smart One sind: Carla in Scrubs, Clair Huxtable in The Cosby Show oder Dorothy in Golden Girls.
- The Loveable Loser: sie, meistens aber er, ist verträumt, gutherzig, voller Hoffnung und Pläne und impulsiv. Beispiele für The Loveable Lose sind: Leonard in The Big Bang Theory, J.D. in Scrubs oder Chandler in Friends.
- The Neurotic: sie oder er ist unsicher, voller Sorgen, nie zufrieden, kontrollsüchtig und weiß das alles auch. Beispiele für The Neurotic sind: Elliot in Scrubs, Frasier und Niles in Frasier oder Monica in Friends.
- The Dumb One: sie oder er ist kindlich, enthusiastisch, gutmütig, kann nicht lügen und trägt sein Herz auf der Zunge. Beispiele für The Dumb One sind: Joey in Friends, Homer in The Simpsons oder Kelly Bundy in Married... With Children.
- The Bitch / Bastard: sie oder er ist gemein, bissig, ich-bezogen, pessimistisch und bauernschlau und deshalb häufig die beliebteste Figur einer Sitcom, weil sie ausspricht, was wir uns nie trauen würden. Zu ihnen gehören: Dr. Cox und Dr. Kelso in Scrubs, Berta in Two and A Half Men oder Sophia in Golden Girls.
- The Womanizer / Manizer: sie oder er denkt vor allem an Sex, ist alles andere als schüchtern, dafür selbstbewußt, eitel und eingebildet. Beispiele sind: Barney in How I Met your Mother, Charlie Harper in Two and A Half Men oder Howard in The Big Bang Theory.
- The Materialstic One: sie (weniger er) ist verwöhnt, oberflächlich, anspruchsvoll, abschätzig und weinerlich. Zu ihnen zählen u.a. Penny in The Big Bang Theory und Rachel in Friends.
- In Their Own Universe: er oder sie ist exzentrisch, enorm begeisterungsfähig, denkt unlogisch oder gerade erschreckend logisch, auf jeden Fall ist er oder sie unvorhersehbar und deshalb auch häufig Liebling des Publikums, wie etwa: Sheldon in The Big Bang Theory oder Phoebe in Friends.
Das sind sie nun, die acht Typen, die in unterschiedlichsten Konstellationen immer wieder in amerikansichen Sitcoms auftauchen. Natürlich treffen nicht immer alle Charaktereigenschaften auf eine Figur zu, und manche Figur ließe sich bestimmt auch einem anderen Typ zuordnen, aber die Übereinstimmungen sind doch bemerkenswert.
Wer Lust hat, kann es bei nächster Gelegenheit ja mal selber überprüfen. Und wer mehr wissen will, liest einfach Scott Seditas Buch. In beiden Fällen: Viel Spaß!
Wird Originalität überschätzt?
Schauen wir, was George Orwell dazu sagt:
"Ich selber habe nichts gegen alte Witze, ich verehre sie sogar. Wenn Seekrankheit und Ehebruch einmal nicht mehr lustig sein werden, hat die abendländische Kultur ausgedient. Aber beim Plot einer Geschichte verhält es sich anders; dort dürfen wir mit Recht etwas Neues erwarten."
Hätten wir das also auch geklärt.
gefunden in: Denken mit George Orwell.
Ein frischer Start in die neue Woche
... mit Theo Lingen!
aus: "Die Lümmel von der ersten Bank". Alle Teile der Reihe sind natürlich auf DVD erhältlich.
Heute machen wir uns keine Sorgen!
In seinem Klassiker Audition enthüllt der berühmte Broadway- und Hollywood-Besetzungschef Michael Shurtleff alles, was ein Schauspieler wissen muß, um eine Rolle zu bekommen (so steht es auch vollmundig auf dem Buchdeckel).
Vordergründig richtet sich das Buch natürlich an Schauspieler, aber viele von Shurtleffs Ratschlägen sind, wie ich finde, auch für Autoren wertvoll. Deshalb will ich heute zwei herausgreifen:
1. Häufig bekommen Schauspieler bei einem Vorsprechen nur eine Szene. Sie wissen nicht, aus welchem Stück. Sie wissen nicht, was in der Szene davor oder danach passiert. Sie kennen weder den Handlungsverlauf, noch die anderen Figuren. Die Schauspieler sind unsicher.
Michael Shurtleffs Rat: "Use what you know. Don't worry about what you don't know."
Wenn man eine Geschichte entwickelt, hat man zunächst auch immer mehr Fragen als Antworten. Aber man weiß eben doch auch immer was. Und das soll man nutzen!
2. Schauspieler verlieren beim Anlegen ihrer Rolle leicht den Glauben an ihre getroffenen Entscheidungen. (Ständige Zweifel - verbindet das nicht Schauspieler mit Autoren?)
Michael Shurtleffs Tip: "make a strong choice and go with it. To hell with whether it's right or wrong. The audition isn't about being right or wrong, it's about commitment. [...] Keep faith in your choice and plow right ahead; make a strong choice and keep it strong."
Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern um starke Entscheidungen. Das gilt auch für jede erste Fassung!
Genaugenommen sind Michael Shurtleffs Ratschläge für jeden nützlich, nicht nur für Schauspieler und Autoren - denn was ist ein Vorstellungsgespräch oder eine erste Verabredung anderes als ein Vorsprechen? "In today's world everything seems like some sort of long audition to me." Gut, daß wir jetzt wissen, was zu tun ist: Don't worry!
PS: Mittlerweile gibt es auch eine deutsche Ausgabe von Audition.
"Wie wäre es, wenn der Ehemann..."
Was kann man an einem regnerischen Samstag wie diesem nur machen?
Wir fahren mit Billy Wilder an den Strand von Malibu, lassen Drachen steigen und uns erklären, wie er zusammen mit I.A.L. Diamond seine Geschichten entwickelt hat:
Das Fenster zum (wirklichen) Hof
Meine Begeisterung für Hitchcock begann 1995 in einem kleinen Antiquariat in Colmar. Hier fand ich in einer französischen Hitchcock-Monographie ein Foto des leeren Innenhofes aus "Das Fenster zum Hof". Die Künstlichkeit des im Studio nachgebauten Innenhofes faszinierte mich so sehr, daß ich das Hitchcock-Buch kaufte, obwohl ich kein Wort Französisch konnte.
Der Innenhof im Film hat ein Vorbild in der Wirklichkeit. Als ich im Juli 2000 in New York war, habe ich es leider versäumt, zu 125 Christopher Street, Greenwich Village, zu fahren. Das hat im letzten Jahr aber Steven DeRosa getan. Das Ergebnis seines Ausfluges ist hier zu sehen:
PS. Wer sich mehr für Hitchcock und seine Zusammenarbeit mit Drehbuchautoren interessiert, dem sei Steven DeRosas Buch Writing with Hitchcock und sein gleichnamiger Blog empfohlen.
Schreibe kurz! - Oder doch bildhaft?
Zwei Sätze, die das Gleiche besagen:
a. Frauen bekommen nicht die gleiche Anerkennung.
b. Ginger Rogers hat alles gemacht, was Fred Astaire machte. Aber sie tat es rückwärts und auf Stöckelschuhen.